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Blindenschrift (Braille): Lesen und Schreiben mit den Fingerspitzen

Die Blindenschrift (Braille) ist ein taktiles Schriftsystem aus erhabenen Punkten, das blinden Menschen das Lesen und Schreiben mit den Fingerspitzen ermöglicht. Jeder Buchstabe, jede Zahl und viele Satzzeichen werden durch eine bestimmte Anordnung von bis zu sechs Punkten in einem festen Raster dargestellt. Entwickelt wurde das System im 19. Jahrhundert vom Franzosen Louis Braille.

Wie funktioniert Blindenschrift (Braille)?

Braille basiert auf einer sogenannten Braillezelle: einem Raster aus sechs Punkten, angeordnet in zwei Spalten zu je drei Punkten. Durch das Erhöhen einzelner Punktkombinationen entstehen 64 mögliche Zeichen.

  • Vollschrift: Jedes Zeichen wird einzeln ausgeschrieben, ähnlich der normalen Schwarzschrift.
  • Kurzschrift: Häufige Buchstabenkombinationen und Wörter werden durch Kürzel ersetzt, was das Lesen beschleunigt (siehe ).
  • Herstellung: Braille-Texte werden mit einem auf Papier geprägt oder digital über eine Braillezeile ausgegeben.
  • Anwendungsbereiche: Bücher, Beschriftungen von Medikamenten, Aufzugstasten, Speisekarten und persönliche Notizen.

Das Erlernen von Braille erfordert Übung und ein geschultes Tastempfinden, weshalb der Erwerb oft im Rahmen von spezialisierten Kursen oder in der Schule erfolgt.

Warum ist Blindenschrift (Braille) wichtig?

Braille ist für viele blinde Menschen der Schlüssel zu selbstständigem Lesen und Schreiben und damit zu Bildung, Beruf und kultureller Teilhabe.

  • Eigenständiges Lesen: Ermöglicht das Lesen ohne technische Hilfsmittel oder fremde Unterstützung.
  • Sprach- und Rechtschreibkompetenz: Braille fördert im Gegensatz zu reinem Vorlesen das Verständnis von Rechtschreibung und Textstruktur.
  • Wichtig im Alltag: Beschriftungen in Braille erleichtern etwa das Erkennen von Medikamenten oder Stockwerken im Lift.
  • Rückgang durch Technik: Die Verbreitung von Sprachausgabe und Hörbüchern hat den Gebrauch von Braille verändert, ohne seine Bedeutung für Bildung und Beruf zu schmälern.

Blindklusiv zeigt in seinen Sensibilisierungsanlässen anschaulich, wie das Ertasten von Braille funktioniert und wie viel Übung das Lesen mit den Fingerspitzen erfordert.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Innerhalb der Blindenschrift wird zwischen Vollschrift und unterschieden, wobei Letztere durch Abkürzungen platzsparender und schneller lesbar ist. Braille sollte zudem nicht mit dem verwechselt werden: Grossdruck vergrössert lediglich die normale Schwarzschrift für Menschen mit Restsehvermögen, während Braille ein eigenständiges taktiles Zeichensystem für Menschen ohne verwertbares Sehvermögen darstellt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert es, Braille zu lernen?

Die Grundlagen können je nach Alter und Übung innerhalb einiger Monate erlernt werden, ein flüssiges Lesetempo entwickelt sich jedoch oft erst über Jahre der regelmässigen Anwendung.

Kann man Braille auch digital nutzen?

Ja, über eine Braillezeile, die an Computer oder Smartphone angeschlossen wird, lassen sich digitale Texte in Echtzeit in Braille-Punkte umwandeln und ertasten.

Lernen alle blinden Menschen Braille?

Nein, viele Menschen mit Sehbehinderung nutzen stattdessen oder zusätzlich Sprachausgabe und Hörbücher, insbesondere wenn die Sehbehinderung erst im Erwachsenenalter eintritt.

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