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Charles-Bonnet-Syndrom: wenn das Gehirn Bilder ergänzt

Das Charles-Bonnet-Syndrom bezeichnet das Auftreten lebhafter visueller Halluzinationen bei Menschen mit starkem, meist fortgeschrittenem Sehverlust. Betroffene sehen Muster, Formen oder detaillierte Bilder von Menschen, Tieren oder Landschaften, obwohl objektiv nichts davon vorhanden ist — bleiben sich dabei aber bewusst, dass es sich nicht um reale Wahrnehmungen handelt.

Wie funktioniert Charles-Bonnet-Syndrom?

Das Gehirn verarbeitet normalerweise laufend visuelle Reize der Augen. Fällt dieser Input durch eine schwere Augenerkrankung wie oder stark reduziert aus, kann das Sehzentrum im Gehirn diese fehlenden Informationen selbstständig durch erzeugte Bilder «auffüllen».

  • Bandbreite der Halluzinationen: von einfachen geometrischen Mustern bis zu komplexen, detailreichen Szenen mit Personen oder Tieren.
  • Dauer: die Bilder dauern meist wenige Minuten, können in Einzelfällen aber auch länger anhalten.
  • Bewusstseinsklarheit: Betroffene wissen in der Regel, dass die Wahrnehmungen nicht real sind — anders als bei Halluzinationen im Rahmen psychischer Erkrankungen.
  • Keine weiteren Sinne betroffen: es handelt sich ausschliesslich um visuelle Erscheinungen, nicht um Stimmen oder andere Sinneseindrücke.

Das Syndrom kann in jedem Lebensalter auftreten, betrifft aber besonders häufig ältere Menschen mit altersbedingtem Sehverlust.

Warum ist Charles-Bonnet-Syndrom wichtig?

Das Charles-Bonnet-Syndrom ist deutlich häufiger als allgemein bekannt, wird aber aus Scham oder Unwissenheit selten angesprochen.

  • Fehldiagnose vermeiden: ohne Aufklärung befürchten Betroffene oft eine beginnende Demenz oder psychische Erkrankung, was das Syndrom nicht ist.
  • Entlastung durch Wissen: das blosse Verständnis, dass die Halluzinationen eine bekannte Folge des Sehverlusts sind, wirkt für viele Betroffene beruhigend.
  • Ärztliche Abklärung: eine augenärztliche und bei Bedarf neurologische Abklärung schliesst andere Ursachen aus und bestätigt die Diagnose.
  • Austausch: der Kontakt zu anderen Betroffenen, etwa über Beratungsstellen, hilft, offen über die Erfahrung zu sprechen.

Blindklusiv thematisiert in Sensibilisierungsanlässen auch solche wenig bekannten Begleiterscheinungen von Sehverlust, um Verständnis im Umfeld der Betroffenen zu schaffen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Das Charles-Bonnet-Syndrom wird häufig mit Halluzinationen im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen verwechselt. Der entscheidende Unterschied: Betroffene erkennen die Bilder als nicht real und erleben keine Wahnvorstellungen oder Stimmen. Es ist zudem keine eigenständige Augenkrankheit, sondern eine mögliche Begleiterscheinung verschiedener Ursachen von .

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Charles-Bonnet-Syndrom eine psychische Erkrankung?

Nein. Es handelt sich um eine neurologische Reaktion auf den reduzierten visuellen Input bei starkem Sehverlust, nicht um eine psychiatrische Störung. Betroffene bleiben sich bewusst, dass die Bilder nicht real sind.

Wer ist besonders häufig betroffen?

Vor allem ältere Menschen mit fortgeschrittenem Sehverlust, etwa durch Makuladegeneration, sind betroffen, grundsätzlich kann das Syndrom aber bei jedem starken Sehverlust auftreten.

Was hilft gegen die Halluzinationen?

Häufig helfen eine gute Beleuchtung, Augenbewegung oder ein kurzer Tätigkeitswechsel, um das Bild verschwinden zu lassen. Bei starker Belastung kann eine augenärztliche oder neurologische Beratung sinnvoll sein.

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