Glossar · H
Hörsehbehinderung (Taubblindheit): Doppelte Sinneseinschränkung verstehen
Hörsehbehinderung, auch Taubblindheit genannt, bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen einer Seh- und einer Hörbeeinträchtigung. Sie gilt als eigenständige Behinderungsform, da sich die beiden Einschränkungen nicht einfach addieren, sondern gegenseitig verstärken und besondere Kommunikations- sowie Orientierungsstrategien erfordern. Betroffene sind in besonderem Mass auf taktile Kommunikation und individuelle Unterstützung angewiesen.
Wie funktioniert Hörsehbehinderung (Taubblindheit)?
Bei einer Hörsehbehinderung fallen zwei zentrale Fernsinne, Sehen und Hören, teilweise oder vollständig weg. Das bedeutet, dass wichtige Kompensationsmechanismen, die sonst bei einer Einzelbehinderung greifen, hier gleichzeitig eingeschränkt sind.
Man unterscheidet unter anderem:
- Angeborene Taubblindheit, etwa durch genetische Syndrome oder Komplikationen während der Schwangerschaft.
- Erworbene Taubblindheit, häufig durch fortschreitende Erkrankungen wie das Usher-Syndrom, bei dem sich zu einer angeborenen Hörbehinderung im Laufe des Lebens eine hinzugesellt.
Zur Kommunikation kommen taktile Verfahren zum Einsatz, etwa taktile Gebärdensprache, Lormen oder Handführung, ergänzt durch verbleibendes Rest-Seh- und Resthörvermögen. Auch die spielt eine zentrale Rolle, um Umwelt und Kommunikation zugänglich zu machen.
Warum ist Hörsehbehinderung (Taubblindheit) wichtig?
Hörsehbehinderung stellt besonders hohe Anforderungen an Umfeld, Unterstützungspersonen und Gesellschaft.
- Individuelle Kommunikationswege: Jede betroffene Person nutzt eine eigene Kombination aus taktilen, visuellen und akustischen Restfähigkeiten.
- Erhöhtes Isolationsrisiko: Ohne geeignete Unterstützung droht sozialer Rückzug, da alltägliche Kommunikation deutlich erschwert ist.
- Bedarf an Begleitpersonen: Taubblinden-Assistenz ermöglicht Teilhabe an Alltag, Beruf und Freizeit.
- Sensibilisierungsbedarf: Viele Menschen wissen wenig über Taubblindheit, was zu Missverständnissen im öffentlichen Raum führen kann.
Solche komplexen Einschränkungen zeigen, wie wichtig fundiertes Wissen im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung ist – ein zentrales Anliegen der Schulungen von Blindklusiv.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Hörsehbehinderung ist nicht einfach die Kombination aus und Sehbehinderung, sondern gilt fachlich als eigenständige Behinderungsform mit spezifischem Unterstützungsbedarf, da sich die beiden Einschränkungen gegenseitig verstärken. Von der reinen Sehbehinderung unterscheidet sie sich dadurch, dass klassische Kompensationsstrategien wie das Hören von Ansagen oder Verkehrsgeräuschen ebenfalls eingeschränkt sind, weshalb verstärkt auf taktile Kommunikation zurückgegriffen werden muss.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Taubblindheit dasselbe wie vollständige Blindheit und Taubheit?
Nicht zwingend. Viele Betroffene verfügen über ein gewisses Rest-Seh- oder Resthörvermögen, der Grad der Einschränkung variiert stark von Person zu Person.
Wie kommunizieren taubblinde Menschen?
Häufig genutzt werden taktile Gebärdensprache, Lormen, Handführung oder Braille, oft in individueller Kombination je nach verbleibendem Seh- und Hörvermögen.
Was ist eine häufige Ursache für erworbene Taubblindheit?
Eine bekannte Ursache ist das Usher-Syndrom, bei dem sich zu einer angeborenen Hörbehinderung im Laufe des Lebens eine fortschreitende Sehbehinderung hinzugesellt.